Vier Personen stehen in einem Raum mit Ausstellungsobjekten, betrachten die Kunst und unterhalten sich. Im Vordergrund wird eine Skulptur angeleuchtet.

Paris Magnétique.
1905-1940

Leistungen:

  • Szenografie
  • Konzept
  • Entwurf
  • Ausstellungsgrafik
  • Ausführungsplanung

Kunde:

Jüdisches Museum Berlin

Jahr:

2023

Das Projekt

Das Jüdische Museum Berlin beauftragte anschlaege.de mit der Gestaltung der Ausstellungsarchitektur und Grafik zu „Paris Magnétique. 1905-1940“ – einer Blockbuster-Ausstellung über jüdische Künstlerinnen und Künstler der École de Paris auf einer Fläche von 900 Quadratmetern im historischen Altbau des Museums.

Die Wörter „Paris Magnétique“ in Großbuchstaben. Einzelne Buchstabenstriche bewegen sich langsam zueinander

Hintergrund

Die Ausstellung entführt Besucher:innen in das Paris der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die französische Hauptstadt wirkte in dieser Zeit auf Künstler:innen aus aller Welt wie ein Magnet: Man traf sich, kommunizierte, arbeitete, feierte und lebte. Orte wie das legendäre Café du Dome waren Treffpunkte für fröhliche Feiern und zum anregenden Austausch. Das Leben fand in großen Teilen draußen statt. 

Idee

Für das Design ließen wir uns von den Pariser Straßen der Moderne inspirieren. Cafés und Kioske dienten als Treffpunkte, an denen die Künstler:innen der sogenannten „Pariser Schule“ zusammenkamen. Für die Kuratorin Shelley Harten war es essenziell, neben den Kunstwerken auch diese Ebene zu vermitteln. Ausgehend vom offenen, modularen System Le Corbusiers gestalteten wir kiosk-ähnliche Stationen als Dreh- und Angelpunkte für Informationen und Dialog.

Planzeichnung von einem Ausstellungsdisplay, an das eine Vitrine angeschlossen ist. Daneben ein Farbkreis mit Pastellfarben Schwarz, Gelb, Grün, Blau, Rot und Weiß. Darunter Farbfelder mit Farbwertangaben

Paris war Schauplatz großer Kunst. Die Ausstellung bot eine Bühne für die Vielfalt an Künstlerinnen und Künstler der École de Paris. Die Verbindungen zwischen den Menschen greifbar nah.

Dr. Shelley Harten, Kuratorin Jüdisches Museum Berlin
Frontalansicht eines Kunstwerks auf dunkelgrauer Wand. Darauf ein Ölgemälde, dass eine orange-rote Figur vor blauem, zerklüfteten Hintergrund zeigt. Links steht eine Person an einem koralle-farbenen Ausstellungsdisplay und erkundet die Informationen.

Konzept

Die Pariser Szene in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war vielschichtig vernetzt. Die Künstlerinnen und Künstler unterstützten einander, knüpften Freundschaften, einige heirateten. Infografiken bringen diese Beziehungen den Besucher:innen näher. Angezogen von der lauten Lebenslust, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in der Stadt ausbreitete, strömten Menschen aus dem russischen Kaiserreich, aus Österreich-Ungarn, dem Deutschen Reich, Italien und Bulgarien in die französische Hauptstadt. Eine Animation, die wir auf einen der architektonischen „Voids“ von Liebeskind projizierten, visualisiert diese Bewegung und verschafft Überblick.

Umsetzung

Für das visuelle Erscheinungsbild wählten wir eine Schrift, die das Prinzip des Magnetismus visuell übersetzt. Wir entwickelten ein typografisches System, in dem die Typografie des Museums mit dem Pariser Stil Anfang des 20. Jahrhunderts harmoniert. Ohne historisierend oder kitschig zu wirken, überträgt die Schrift spielerisch den titelgebenden Magnetismus.

Die Straßen von Paris

Die Inspiration für das Design kommt von der Pariser Straße des 20. Jahrhunderts. Die Künstler:innen der Pariser Schule trafen sich in den Cafés. Freundschaften wurden geschlossen, Studioräume wurden arrangiert, Menschen verliebten sich. Kioske bestimmten das Stadtbild. Corbusier bestimmte die Form.

Um eine geeignete Architektur für die Dokumentationsebene der Ausstellung zu finden, haben wir uns zusammen mit dem Ausstellungsdesigner Thilo Albers für das Konzept von LeCorbusiers „La Maison d’Homme“ und Alfredt Arndts „House of the People“ entschieden.

Im Pavillon LeCorbusier fanden wir die Inspiration in einem bestimmten Schrank. Unser Konzept trennt die Dokumentationsebene von den Kunstwerken. Wir haben die bestehenden Schaufenster des Jüdischen Museums so geplant, dass sie an unsere Konstruktion angeschlossen werden können. Dies garantierte eine nachhaltige Nutzung des Museumsinventars.

  • Straßenszene mit Café und Gästen auf historischem Foto. Im Vordergrund unterhalten sich zwei Personen an einem Café-Tisch. Links ein Personenpaar im Gespräch. Im Hintergrund ist der Schriftzug „Café du Dome“ zu erkennen.
  • Historisches Foto von einem Kiosk-Gebäude aus Backstein, Glas und Beton. Im Hintergrund bewaldetes Gebiet. Im Vordergrund eine Parkbank.
  • Historische Fotografie mit offener Gebäudearchitektur. Aus einer Einbuchtung wächst ein Baum durch eine Öffnung im Obergeschoss.
  • Historische Fotgrafie mit Raumansicht und einem Schrankmöbel.
Perspektivisch stark verzerrte Ausstellungsansicht mit koralle-farbendem Dislplay mit Informationstext „Les Années Folles“ und dem Schild „No. 6“
Gelber Winkel aus Stahl an Betonwand befestigt mit Schild, auf dem die Markierung „No. 9“ steht.
Blick über die Schulter eines Kindes, das einen Touchscreen bedient. Darauf eine Zeitleiste mit der Jahreszahl 1913 und Informationstext.
Infografik aus mit feinen Linien verbundenden Begriffen. Schwarz auf weißem Hintergrund.
Projekttion einer Karte von Europa mit der Überschrift „Migration der Künstlerinnen und Künstler nach Paris“ mit einem Pfeil, der aus Sofia, Bulgarien, nach Paris zeigt. Darunter Kurzbiografie des Künstlers „Jules Pascin“

Die Ausstellung offenbart, dass jüdische Künstler:innen entgegen zeitgenössischer Auffassungen fest mit der Szene verwurzelt waren.

Rik Watkinson

Art Direktion und Managing Partner anschlaege.de
Zwei Personen stehen inmitten eines Ausstellungsraums und betrachten ein Gemälde. Rechts der Ausstellungstext mit der Überschrift „Paris Magnétique 1905-1940“ in Schwarz auf weißer Wand.
Broschüre mit Umschlag „Künstlerbiografien“, Schwarz auf weißem Papier vor grauem Hintergrund
Broschüre mit aufgeschlagenen Innenseiten und der Überschrift „Marc Chagall“, Schwarz auf weißem Papier vor grauem Hintergrund
Ausstellungstitel „Paris Magnétique“ in schwarzen Buchstaben auf Glas geplottet